Medienpädagogik und Medienästhetik


Philosophische Gespräche können die verschiedensten Formen annehmen. Dabei geht es allerdings immer darum, sich mit der Welt, in der wir leben, auseinanderzusetzen. In diesem Sinn hat Philosophieren heute immer auch eine eminent politische Bedeutung.

Ausgangspunkt sind die für uns Menschen unvermeidlichen Erschütterungen, die uns immer wieder zu philosophischen Fragen drängen. Fragen wie zum Beispiel: Wie ist es nun wirklich? Wie kann und soll ich handeln? Wer oder was bin ich? Nehmen wir diese Fragen als philosophische Herausforderungen ernst, so gelangen wir zu der Einsicht, dass wir Menschen all unsere Wahrnehmungen und unsere Erkenntnisse interpretieren müssen.
Die zweite Einsicht, die sich fast unmittelbar anschliesst, ist die: kein Mensch leistet diese Interpretation für sich allein, sondern immer in Kommunikation mit anderen Menschen, und überhaupt erst in dieser Kommunikation kann Individualität entstehen. In der gelingenden Kommunikation kann sich Vernunft bilden und bestätigen. Dabei stossen wir aber gerade in der heutigen Welt auf eine Vielzahl von Rationalitäten, die ihre Berechtigung haben oder zumindest geltend machen. Aus der Konfrontation dieser Rationalitäten können aber durchaus neue Denkweisen entstehen.
Alle Denkweisen - philosophische, wissenschaftliche, politische - beziehen ihren Sinn aus dem Bezug zur Lebenswelt, in der die Menschen leben. Wir Menschen leben immer in konkreten Situationen, und wie gut es uns gelingt, unseren Lebensentwurf zu realisieren, zeigt sich in diesen Situationen. Die Freiheit dazu müssen wir uns immer wieder erarbeiten - und eben das macht Menschlichkeit aus.

Ein solcher philosophischer Bogen könnte ein Beispiel dafür sein, wie heute philosophiert werden kann. Dabei zeigt sich, dass im Prinzip alle Menschen mit philosophischen Fragen konfrontiert sind und auch tatsächlich philosophieren.

Medienästhetik fragt nach Bedingungen und Formen der Wahrnehmung, der Kommunikation und des Handelns unter den Bedingungen technischer Medialitäten. Dies schliesst eine Beschäftigung mit philosophischen und künstlerischen Begriffen ein: Denn was heisst "aísthesis"? Was heisst "techné"? Und wie lässt sich eine – nicht instrumentell verkürzte – Konzeption der "Medien" formulieren? Zugleich müssen solche Begriffe aber auch verschoben werden, um radikal gewandelten technischen Bedingungen gewachsen zu sein: geisteswissenschaftliche Selbstverständlichkeiten werden damit in Frage gestellt.Die Darstellung der semiotischen Medienbegriffe ebenso wie die Begriffe von Technik und Maschine, unterschiedliche Medienstrukturen ebenso wie deren Grenzen sind Themen der Medienästhetik. Denn überall geht es darum, gestalterische Potentiale freizulegen, um mediale Systeme nicht nur als Machtkonstellationen zu erleben, sondern als Laboratorium offener Möglichkeiten entziffern zu können.